Einiges zur Geschichte der MarienkircheWer sich der Stadt Herford von Süden nähert, sieht schon
von weitem die ehemalige Stifts- und Wallfahrtskirche „St. Marien
auf dem Berge zu Herford“ aus den Baumwipfeln leuchten. Der Anlass
für den Bau dieser einzigartigen Kirche wird beschrieben in einer
schönen Gründungslegende.Einem jungen Hirten erschien die Jungfrau Maria auf dem nahegelegenen
Luttenberg in einem strahlenden Lichtermeer. Sie sagte ihm eine Botschaft
für die Äbtissin des Herforder Frauenstifts. Statt üppiger
Pracht beim Wiederaufbau des Klosters solle diese für das geistige
Leben sorgen und die Gemeinschaft stärken. Außerdem solle
an dieser Stelle der Erscheinung ein Ort des Gedenkens gebaut werden.
Der Jüngling wehrte sich gegen den Botengang, weil er fürchtete,
als Betrüger zu gelten. Maria empfahl ihm, aus zwei kräftigen
Ästen ein Kreuz zu fertigen und am Ort ihrer Erscheinung aufzurichten.
Als Zeichen der Wahrhaftigkeit versprach die Jungfrau, der Äbtissin
und ihrem Gefolge in Gestalt einer weißen Taube auf dem Kreuz
zu erscheinen. Erwartungsgemäß glaubten die Nonnen dem Mann
nicht. Sie sperrten ihn ein, gingen aber selbst auf den Berg und fanden
das Kreuz, auf dem eine weiße Taube saß. Die Äbtissin
versprach den Bau einer Kirche. Der Stumpf des Baumes, aus dessen Ästen
das Kreuz stammte, galt als wundertätig und wird bis heute im Tabernakel
des Hochaltars aufbewahrt. Diese Erscheinung machte die Marienkirche
zu einer Wallfahrtskirche (der ältesten nördlich der Alpen).
Der Vision wird mit einem jährlichen Volksfest und einer Wallfahrt
gedacht.
Das eigentliche Wunder aber ist die Marienkirche
selbst. Sie ist "eine der schönsten gotischen Kirchen Westfalens"
(Theodor Heuss). Ein erster, frühromanischer Bau geht wohl auf
das Jahr 1011 zurück. Eine Erweiterung in der Grundrissform eines
Kreuzes ("ad crucem") wurde im Jahre 1017 oder 1018 vom Paderborner
Bischof Meinwerk geweiht. Der gotische Ausbau, mit dem die Kirche die
heutige Gestalt erhielt, wurde 1290 begonnen. 1325 wurde die Kirche
geweiht. In der Aussenansicht zeigt die Marienkirche
den blockartig-monumentalen Baukörper der westfälischen Hallenkirche,
aus dem nach Osten der Chor, nach Westen der Turm herausspringen. Strebepfeiler
und Maßwerkfenster gliedern die Wände, Giebel der Quersatteldächer
des Langhauses sind mit Fialen und Maßwerkkreuzen geschmückt.Das Innere erweckt dien Eindruck, als sei die die
Kirche ins Licht gebaut. Es ist der Geist transzendenter Mystik, der
in dem weiten und durchsichtigen, fast schwerelosen Raum zum Ausdruck
kommt. Überaus schlank wachsen die Pfeiler empor, deren Dienste
in die Bögen und Rippen der weitgespannten Gewölbe ausstrahlen.
Einzigartig ist auch der Chorraum. Ein sogenannter Fünfachtelabschluss
des Gewölbes wird in einem glatten Chorabschluss aufgefangen. Diese
Bauweise ermöglicht außen einen dreigliedrigen, gotischen
Ziergiebel: den reichsten Mariengiebel Westfalens.Den Schmuck des Innenraumes bilden Mariendarstellungen,
ein spätgotischer Schnitzaltar, das Sakramentshaus, sowie die Altarpyramide
über dem Baumstamm der Erscheinung, hoch oben darin eine Marien-Doppelplastik.
Seit 1548 ist die Marienkirche evangelische Pfarrkirche.
In der Kirche befinden sich zwei Orgeln. Die Collon-Orgel, so benannt
nach dem Baumeister aus Brüssel, wurde im Jahre 2004 eingeweiht.
Auf ihr finden seit 2006 internationale Orgelwettbewerbe statt. Das
Geläut besteht aus sechs bronzenen Glocken die 1986 in der Glockengießerei
Rincker in Sinn (Hessen) gegossen wurden.Die Gemeinde zählt mehr
als 4500 Gemeindeglieder. Im Gottesdienst zu hören sind unsere
Kantorei und der Posaunenchor. Die Gottesdienste sind (auch an normalen
Sonntagen) ausgesprochen gut besucht. Neben der „Kerngemeinde“
zieht die schöne Kirche auch viele Auswärtige in die Gottesdienste.
von Matthias Storck
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